Sport und Kultur im Gebiet der Feuerspeier

Die Vulkane der Garrotxa und Banyoles - die Kultur- und Sporthauptstadt von Katalonien 2004

Banyoles war 2004 die Kultur- und Sporthauptstadt von Katalonien. Das fanden wir Grund genug, dem Städtchen am See Estany de Banyoles einen Besuch abzustatten. Nachdem 1992 die Ruderwettkämpfe der Olympischen Spiele auf dem See ausgetragen wurden, war der Ort kein unbekannter mehr. Leider machte Banyoles Ende der 90er Jahre mit einem tragischen Schiffsunglück traurige Schlagzeilen. Um so mehr wird heute auf Verkehrssicherheit auf dem See geachtet.

Ab 27. Juli werden in diesem Jahr die Senior & Junior Championships in Banyoles stattfinden. Die Vorbereitungen für das Großereignis laufen auf Hochtouren.
Wir wollten den Ausflug nach Banyoles mit einer kleinen Reise zu den Vulkanen der Garrotxa verbinden und natürlich auch das mittelalterliche Dorf Santa Pau besuchen.
So fuhren wir früh morgens in Richtung Olot. Die N-260 verbindet die Küste schnell mit dem Hinterland. In Olot folgten wir der Ausschilderung nach Santa Pau und hielten am ersten Parkplatz und Informationspunkt "Àrea de Can Serra". Hier bekommt man Kartenmaterial und Auskunft zu den Vulkanen. Beruhigend ist es zu wissen, dass der letzte Vulkanausbruch vor etwa 11.500 Jahren statt fand. Trotzdem gelten die Vulkane des Garrotxa heute noch als aktiv. Die letzten Erdbeben wurden 1428 verzeichnet. Durch Gesteinsabbau hatte die Vulkanregion schwere Schäden erlitten. Seit 1985 ist die Garrotxa Naturpark, und viele der Steinbrüche sind geschlossen.

"LA FAGEDA D'EN JORDÀ"
Dem Informationszentrum gegenüber liegt die la fageda d’en Jordà – ein urwüchsiger Buchenwald, um den sich die Legenden ranken. Hier soll der Kobold "El Folet" bei Einbruch der Dunkelheit sein Unwesen treiben. Abergläubische lassen deshalb nachts die Fenster zu. Es ist noch früher Vormittag, die Sonne scheint gleißend vom Himmel. Der Spuk schreckt uns somit nicht vor einer kleinen Runde durch den lockend schattigen Buchendschungel. 30 Minuten dauert laut Karte der gekennzeichnete Rundweg. Am Beginn treffen wir auf eine Metalltafel mit dem Gedicht von Joan Maragall, das er im 19. Jahrhundert diesem verzauberten Buchenwald widmete. "LA FAGEDA D'EN JORDÀ"
Er schwärmt von Stille und Einsamkeit, dem Weltvergessen und dem übermächtigen Grün des Waldes.
Auch uns nimmt LA FAGEDA D'EN JORDÀ gefangen. Märchenhaft wölbt sich das Blätterdach. Die dunklen Stämme strukturieren das Grün. Sonnenreflexe tanzen umher. Grantig liegen Steinbrocken verstreut auf dem Laub übersäten Lavagrund.
Der Weg ist markiert. Es empfiehlt sich nicht, ihn zu verlassen. Schon mancher verirrte sich im Labyrinth der Bäume. Wir folgen den Stufen und Steinen durch die Tiefe des Grunds. Angenehm kühl ist die Luft im Schatten der Buchen. Ein Eichelhäher spielt uns den Begleiter. Blau schillert sein Gefieder im Licht. Die Bäume wachsen auf den Lavaschollen der letzten Vulkanaktivität.
Zurück am Auto fahren wir weiter und biegen am nächsten Parkplatz in die kleine Straße ein Richtung der Kirche Sant Miquel de Sacot.
Die romanische Kirche wurde im 17. Jahrhundert neoklassizistisch umgebaut. Das direkt angrenzende große Bauernhaus schlummert leer stehend vor sich hin. In unmittelbarer Nähe sieht man zwei bewirtschaftete Bauernhäuser. Vor dem einen bimmeln friedlich die Bergziegen und mümmeln zufrieden Gras. Uns zu Füßen liegen das grüne Tal und die Hügel der Vulkane. Wanderwege führen in alle Richtungen.(s.S.34) Betörend süß duften die Linden und machen Lust auf Honig. Das leere Haus wäre die geeignete Wanderherberge. Kurz stellen wir uns vor, wie es wäre, hier ein paar Tage zu nächtigen.
Die graue Fassade bringt uns zurück zur Realität. Wir fahren zurück zur Hauptstraße und dem nächsten Parkplatz. Hier offeriert man Kutsch- und Bimmelbahnrundfahrten vorbei am Volcá del Croscat. Dort hat man früher Steine abgebaut und dem Krater einen tiefen begehbaren Einschnitt zugefügt.

Volcà de Santa Margarida
Wir schlagen als einzige den markierten Weg zum Kraterrand des Volcà de Santa Margarida ein. Schwarz und steil steigt der Weg bergan. Nach 10 Minuten verschnaufen wir an einem Bauernhof. Der Blick von hier in die Landschaft bis hin zu den Pyrenäen ist phantastisch. Uralte Esskastanienbäume säumen den Wegesrand. Knorrig und verwachsen bilden sie eigenwillige Skulpturen der Natur. Der Weg wird steiler und steiler. Wasser hat tiefe Rinnen hinein gewaschen. Wir haben mal wieder die falschen Schuhe an den Füßen, und die Kondition lässt schwer zu wünschen übrig. Der Hohlweg wirkt wie aus Grimms Märchen. Außer Atem gelangen wir auf den Kraterrand und werfen den ersten Blick auf unser Objekt der Begierde – die kleine Kapelle in der Tiefe des Kraterbodens liegt unter uns.
Der Krater hat 30 Meter Durchmesser und ist etwa 60 Meter tief. Vor der Kapelle steht ein Menhir. Scheinbar versuchte man seit Menschengedenken, den Feuergott zu besänftigen.
Oben auf dem Kraterrand thront eine steinerne Berghütte. Leider verkauft man hier keine kühlen Getränke. So entschließen wir uns auf den Abstieg in den Kratergrund zu verzichten, zumal kein kühler Bergsee lockt. Wir klettern auf der Außenseite zurück nach unten. Schmetterlinge haschen sich im Wind. Wieder treffen wir einen Eichelhäher im Wald. Noch immer liegt der Bauernhof auf halben Weg menschenleer. Unten angekommen schmeckt das lauwarme Wasser aus unserem Kofferraum ganz köstlich.


Santa Pau.
Wir fahren das kurze Stück bis Santa Pau. Die Sonne steht hoch am Himmel. Es ist kurz vor Mittag. Die Gassen des Dorfes flimmern. Eine Ladentür steht offen. Das Schaufenster präsentiert Holzschnitzereien. Der alte Holzschnitzer ist iein lautes Gespräch mit einer Nachbarin vertieft. Wir schauen uns in Ruhe um. Die Engelsköpfe gefallen mir besonders gut. Sie bekommt man ab 18,60 Euro. Der Preis steigt mit der Größe der Schnitzereien. Wir werden weiterhin mit Nichtachtung gestraft, fotografieren ein wenig und gehen schließlich ohne Holzengel weiter. Nachbarschaftspflege geht hier über Geschäftssinn.
Eigentlich eine schöne Sitte. Der nächste offene Laden birgt eine kleine Keramikwerkstatt. Hier sind wir gleich völlig allein. Irgendwie rechnet Ende Juni noch niemand mit Kundschaft. Wir laufen weiter über die Brücke zur eigentlichen Attraktion des Dorfes: dem El Firal dels Bous. Der historische Kern von Santa Pau gruppiert sich um die quadratisch angelegte Burg. Der große Dorfplatz ist geprägt von unregelmäßigen, verschieden hohen Arkaden und stellt in seiner bestimmten Gestaltung ein mittelalterliches Ensemble von großer Schönheit dar.
Unter den Arkaden versteckt sich das Touristikbüro und das Restaurant Cal Sastre, das leider geschlossen hat. Der riesige Kasten des Castells aus dem 13. Jahrhundert mitten auf dem Platz dominiert Santa Pau schon von weitem. Überraschend lümmelt eine kleine Metallplastik an der monströsen Steinmauer des Castells. So liebevolle Details bezaubern. An vielen Balkonen ranken Blüten, und auch Pflanzkübel stehen auf den Gassen. Nicht nur Schulklassen kommen regelmäßig zu Exkursionen. Auch heute sind einige Touristen im Dorf. In einem Straßencafé spricht man Deutsch. Leider hat die Touristikinformation nicht viel Wissenswertes auf Lager. So lassen wir uns einfach treiben.
Die gotische Kirche des Dorfes ist aus dem 16. Jh. Um das Dorf herum erstrecken sich Gärten und Wiesen terrassenartig zum Bach. Hier hat man einen Spazierweg angelegt. Santa Pau besticht mit seiner gut erhaltenen mittelalterlichen Architektur und ist unbedingt einen Zwischenstopp wert. Die romanische Anlage zeugt von einer großartigen Vergangenheit.
Wir sind von der Mittagshitze erschlagen und wollen jetzt schnellstens zum See von Banyoles. Die Fahrt dahin geht durch Wiesen, Wälder und Täler. Einzelne kleine Dörfer liegen verschlafen am Straßenrand. Die Landschaft ist grün und friedlich. Wir nähern uns dem See von der Westseite. Er ist der größte natürliche See Kataloniens.


See von Banyoles
Die Oberfläche des Banyoles-See gleicht einer Acht, ist 2.150 Meter lang, seine größte Breite beträgt 775 Meter und seine Oberfläche misst 1 Mio. Quadratmeter. Der See ist bis zu 60 Meter tief. Der Banyoles-See wird von unterirdischen Quellen gespeist, die aus seinem Grund sprudeln und dem See regelmäßig 600 l Wasser pro Sekunde liefern. Das Wasser fließt durch fünf Abflusskanäle in den Terri. Es existieren viele Legenden über den See.
Auf einer sumpfigen Halbinsel am Ostufer hat man 1992 die frühneolithische Siedlung La Draga entdeckt.
Wir halten kurz vor dem See an der Kirche Santa Maria Porqueres aus dem 12. Jahrhundert. Sie ist vorbildlich saniert, aber leider verschlossen. Das Konfetti davor zeugt von der gestrigen Hochzeit. Schräg gegenüber der Kirche steht ein schlossähnlicher Palast. Er strahlt in hellem Stein und ist bewohnt. Hinter den hohen Mauern erstreckt sich ein großer Park. Ein Lieferant bringt die gereinigte Garderobe der Schlossherrin. Die großen Tore öffnen sich automatisch und wir werfen einen Blick auf den Platz vor dem Eingangsportal. Ein Brunnen plätschert auf grünem Rasen. Alte Bäume spenden Schatten. Vor der Schlossmauer blühen Kakteen. Die Szenerie beflügelt zum Träumen: "Damen der Gesellschaft lustwandeln in Atem beraubender Robe durch eine laue Sommernacht, eine Kapelle spielt leise zum Tanz, einzelne Herren stehen Zigarre rauchend auf der Terrasse und lassen die Whiskygläser klingen...“ Wir fahren weiter und folgen der schmalen Straße rund um den See. Neben uns verläuft der Rad- und Wanderweg am Seeufer entlang.
Die parkartige Landschaft wechselt mit Weiden und Pappeln. Der Blick aufs Wasser ist bezaubernd. Leuchtend türkis glitzert der See zwischen Ufergrün und Schilf. An einigen Stellen kann man baden. Leider gibt es keinen richtigen Platz zum Anhalten für Autos. Um die Spitze herum parken wir endlich auf der anderen Seite. Hier baut man an der Ziellinie der Ruder-WM.
Der Turm der Zielrichter ist fast fertig und passt sich gut in die stille Landschaft an diesem Ende des Sees ein. Wir hängen die müden Füße ins Wasser. Weich umspült uns das kühlende Nass. Die Bauarbeiter basteln am Landesteg. Wir fahren weiter zum Ort Banyoles. Dieser empfängt uns laut dröhnend mit Baulärm und hässlicher Architektur. Wir fahren zum Seeufer der Stadt und hier vergisst man sofort Lärm und Beton. Liebevoll sanierte alte Badehäuschen, dümpelnde Enten, romantische Seerosen und ausgediente alte Ausflugsboote bieten Postkartenidylle. Natürlich gibt es daneben bunte Eisbuden, kitschige Touribähnchen und neuzeitliche Betonarchitektur. Unser Blick ignoriert den Background und schweift über den spiegelglatten See. Einige Badehäuschen bekommen gerade den letzten Anstrich. Ein dicker Erpel sonnt sich auf einem Stein, und Entenkinder schwimmen aufgeregt vor uns davon. Vier alte Omas spazieren nebeneinander auf der Platanen beschatteten Uferpromenade. Bänke laden zum Verweilen.

Wir entschließen uns, noch das alte Stadtzentrum zu besuchen. Vor Jahren waren wir mal da und hatten keinen bleibenden Eindruck behalten. Mittlerweile hat sich hier viel getan. Einige Fassaden erstrahlen in neuem Glanz.
Auf der von Arkaden umsäumten Placa Mayor sind viele neue Cafés entstanden. Wir lassen uns in einem davon nieder und ruhen uns aus.
In den Gassen öffnen langsam die Läden nach der Siestazeit, und es entsteht etwas Bewegung auf dem Platz. Das archäologische Museum ist ein imposanter alter Bau mit modernen Elementen. Hier ist u.a. der bei Banyoles gefundene Kiefer eines Vor-Neandertalers ausgestellt, dessen Alter auf ca. 80.000 Jahre geschätzt wird. So lesen wir im Reiseführer. Auf Museum haben wir jetzt keine große Lust, fotografieren aber von außen. Jetzt noch einen Blick auf die Kirche und dann aber schnell heim unter die Dusche.
Auch auf einen Einkaufsbummel verzichten wir gern. Die Hitze des Tages senkt sich langsam in die Gassen der Stadt. Wir fahren über kleine Straßen zurück in Richtung Figueres und werden bei Gelegenheit die Zona Volcànica de la Garrotxa und den Banyoles-See von neuem besuchen.

Oficina de turismo Banyoles
Polígono Industrial 25
17820 Banyoles (Girona)
972 57 55 73