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Unsere Rundreise beginnt in Navata bekannt durch die luxuriöse Golfurbanisation TorreMirona. Vor märchenhafter Kulisse im Hintergrund schneebedeckte Pyrenäengipfel, nach vorn der weite Blick über das Land bis hin zum Meer verbessern hier Neueinsteiger und Profis ihr Handicap.
Wir fahren in Richtung Cistella und Terrades - vorbei an malerischen, alten Bauernhöfen und Herrenhäusern - schrecken vereinzelt Hühner am Straßenrand auf und weichen einigen um die Wette tollenden Dorfhunden aus. Die schmale Straße steigt bergan in die Wälder. Nach links zweigt ein Bergsträßchen ab nach Vilarig. Aus Neugier biegen wir ab. Unser Abstecher wird belohnt. Das etwas bröcklige Castell de Vilarig ist ein beeindruckendes mittelalterliches Bauwerk aus dem XII.- XVII. Jahrhundert und die alten Steinhäuser, die sich darum gruppieren, bilden eine romantische Kulisse. Der Blick von hier oben lädt zum Bleiben ein. Das Dorf scheint bewohnt und dient nicht nur als Wochenenddomizil der Städter. Ein alter Mann sitzt vor seiner Tür und lächelt uns freundlich zu, vor einem Haus flattert Wäsche in der Sonne. Von der Kirche des Dorfes aus genießen wir die Aussicht und die Stille des Vormittags. Ein Wanderweg über 5,5 Kilometer führt von hier nach Terrades, wir nehmen die Straße.
Unterwegs halten wir an einer Waldschneise. Die Frage: gibt es Pilze? wird schnell beantwortet. Ja es gibt sie! Wie gemalt ducken sich dick, fett und verlockend die ersten Steinpilze der Saison ins trockene Laub. Nach einer halben Stunde setzen wir, bereichert um zwei Kilo feinster Steinpilze, unsere Fahrt in die Berge fort.
Unser nächstes Ziel - das Dorf Terrades - kennen wir schon vom Kirschfest im Juni. Diesmal kaufen wir in dem unscheinbaren Dorflädchen ein. El Jefe ein sympathischer alter Herr bedient uns. Wir kommen ins plaudern und erzählen ihm, dass wir extra um sein Brot zu kaufen, hier gehalten haben. Freunde von uns haben davon geschwärmt und auch gleich darauf hingewiesen, dass man früh da sein muss, um noch eins abzubekommen. Er holt erfreut seine Frau. Sie erklärt uns, wie sie nach alter Tradition mit einfachen Zutaten den Teig bereiten und im Holzofen ausbacken. Wir berichten stolz von unseren Pilzfunden und bekommen gleich noch Petersilie für das abendliche Festmahl geschenkt. Sie erzählen, dass gerade ein besonders gutes Pilzjahr begonnen hat und so es nicht schneit man bis in den Dezember hinein seine Wintervorräte sammeln kann. Wir nehmen noch einen Kaffee im "LA FORNAL" am Ende der Gasse und fahren dann weiter, vorbei an Felsformationen, Kirschplantagen und Pinienwäldern bis nach Sant Llorenç de la Muga. Dieser Ort ist wunderschön und stilvoll restauriert. Verfallene Mauern, Jahrhunderte alte Eingangsportale und Fenstereinfassungen wurden von der Dorfbevölkerung in jahrelanger Kleinarbeit fachmännisch rekonstruiert. Überall bewahrte man den ursprünglichen Baustil. Heute erstrahlt das Dorf wieder in altem Glanz und die Bewohner schmücken ihren Ort mit Tontöpfen und -kästen voller Blumen und Pflanzen. Alljährlich finden hier viele kleine Feste statt, wie beispielsweise das Bohnenfest im Februar. Dann sieht man in den Gassen und auf dem Dorfplatz Marktstände mit den typischen Produkten der Region.
Sant Llorenç de la Muga liegt in einem von Bergen umgebenem Tal, am Ufer des Rio Muga und zeichnet sich durch ein besonderes Klima aus. Die Winter sind, trotz Höhenlage, erstaunlich mild und im Sommer wird es nie zu heiß. Die Jahrhunderte alten Bäume am Flussufer spenden auch an heißen Sommertagen ausreichend Schatten, und das klare Wasser der Muga lädt dann zum Baden ein. Wer gern wandert ist jetzt hier richtig. Im Dorf beginnen viele ausgeschilderte Wanderrouten. Rings um das Dorf, im Wald versteckt, trifft man auf plätschernde Quellen mit kristallklarem Wasser. Von den Aussichtspunkten auf den Höhen über Sant Llorenç hat man einen guten Blick auf die Muga und den mittelalterlichen Ort mit seinen Stadtmauern, dem Wachturm und der alten Kirche.
Im Restaurant "SAMUGA" auf dem Dorfplatz kann man sich nach den Anstrengungen einer Wanderung stärken oder man verschnauft auf ein Cerveza in der Bar "EL LLORO" des Dorfes und plaudert - unterbrochen vom hauseigenen Papageien - mit der Wirtin, einem Original aus Frankreich.
Nach einem Rundgang durch das Dorf führt uns die Straße weiter nach Albanya. Unterwegs entdecken wir die restaurierte romanische Kirche Ermita de Palau aus dem XII. - XIII. Jahrhundert. Nicht nur wir halten hier zum Fotografieren.
Albanya ist ein beliebter Urlaubsort. Beeindruckender als das Dorf, was mit einigen Neubauten glänzt, ist die Felsschlucht, durch die die Muga rauscht. Ein Naturschauplatz ohne Gleichen. Wir halten an der Brücke nach dem Ort, um das türkise Glitzern zwischen Felsen und Laubfärbung zu bestaunen. Viel weiter den Berg hinauf bis zu den auf der Karte eingezeichneten Kirchen zu fahren, empfiehlt sich jetzt nur noch mit einem Jeep. Spätestens am Campingplatz muss man ansonsten den Wagen stehen lassen und zu Fuß weiterwandern. Wir kehren um und setzen unsere Tour fort zurück in Richtung Boadella-Stausee. Kurz vor Terrades biegen wir nach links ab in Richtung Boadella und Darnius. Nach kurzer Wegstrecke geht es links den Berg hinauf nach Santuari Mare de Déu de la Salut. Die Schutzheilige von Terrades hat hier 400 Meter über dem Meeresspiegel ihr Domizil. Die Geschichte der Santuari reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück. In der 1887 angebauten Kapelle wird heute noch gern geheiratet. Von hier oben bietet sich ein fantastischer Blick über Stausee und Berglandschaft, und an den Wochenenden im Sommer nutzen viele Einheimische und Touristen den Platz hinter der Santuari für ein ausgiebiges Picknick mit der ganzen Familie. Überall brutzelt dann Paella und klingen die Gläser. Eine Wanderung hinauf zur Kapelle Santa Magdalena (1 Stunde steiler Anstieg, Bergschuhe erforderlich) wird mit einem Panoramablick - bei guter Sicht bis hin zum Meer - belohnt.
Wir verschieben diese Anstrengung auf einen anderen Tag und entschließen uns lieber zu einem Picknick im Freien. Gesättigt besser: pappensatt - fahren wir weiter hinunter ins Tal, vorbei an uralten, knorrigen Olivenhainen, glatt gefressenen Bergwiesen und stillen Fincas bis hin zum Stausee von Boadella, dem wichtigsten Trinkwasserversorger des Alt Empordà und einem beliebten Ausflugsziel der Region. Hier findet man das ganze Jahr über Ruhe und unberührte Natur. Unter schattigen Bäumen bei angenehmen Klima kann man Wandern, Reiten, Schwimmen, Angeln, Kanu fahren oder einfach nur Relaxen. Der See ist heute in goldenes Herbstlicht getaucht, ein Angler dümpelt in seinem Bötchen vor sich hin, und am Ufer sitzt ein älteres Paar eingemummt im Liegestuhl und genießt die Herbstsonne. Wir spazieren ein Stück um den See und bewundern die Laubfärbung.Auf einer Lichtung feiern Jugendliche Party, sonst ist es still.
Später fahren wir an den Dörfern Boadella und Les Escaules vorbei und erinnern uns an unsere letzten Besuche dort. Als man im September in Boadella die Festa Major feierte, waren alle Straßenränder zugeparkt. Wir kamen genau richtig zum großen Dorfessen. In großen Paellapfannen schwenkten die Köche Fideus und Meeresfrüchte. Es gab die katalanische Paella statt Reis werden Fadennudeln (Fideus) in der Pfanne gedünstet. Wer nicht das Glück hat, am Tag einer Festa hier her zu kommen, dem sei das Trull de Frances - ein malerisch am Ufer der Muga gelegenes Restaurant - empfohlen. Hier sitzt man auch bei schlechtem Wetter in der großen Glasveranda in mitten von Natur und genießt die Speisen und Getränke des Hauses mit Blick auf die Muga und die sich dort tummelnden Enten.
Wenige Kilometer weiter, in Les Escaules, feierte man Ende Oktober das Mandelfest. Für fünf Euro bekam man ein zünftiges Mittagessen Bratwurst, weiße Bohnen, geröstetes Weißbrot und Tomate. Der Mann am Grill konnte ein paar Worte Deutsch und freute sich, diese an die Frau zu bringen. Als LKW-Fahrer fährt er jede Woche nach Deutschland.
Die Frauen des Dorfes verkauften Mandeln und Selbstgebackenes an den Ständen auf dem kleinen Dorfplatz.
Heute halten wir unterhalb vom Dorf. Hier rauscht ein um diese Jahreszeit laut brausender Wasserfall. Ein Schauspiel der Natur, das in den Sommermonaten gezähmt zu einer kühlen Dusche einlädt.
Zu Füßen des Wasserfalls kann man im Sommer auch Kaffee trinken.
Der Gourmet fährt ein paar Kilometer weiter bis zum Hotel EL MOLI. Auch hier rauscht die Muga vor den Fenstern der alten Mühle aus dem XVIII. Jahrhundert. In dem stilvoll restaurierten Anwesen serviert man den Gästen in angenehmer Atmosphäre Menüs, die den Gaumen mit frischen Produkten der Saison verwöhnen. EL MOLI ist besonders am Wochenende gut besucht und sehr beliebt bei den französischen Nachbarn, die extra zum Mittagessen von weit her anreisen.
Ein Stück weiter in Pont de Molins spiegeln sich die mittelalterlichen Häuser des Dorfes im Fluß.
Unsere Fahrt geht jetzt in Richtung Llers. Auch hier sind wir bereits im letzten Jahr zum Kirschfest vorbeigekommen. Heute machen wir halt an der Kirche Sant Quirze DOlmells aus dem IX. Jahrhundert. Alte Steine sind doch immer wieder beeindruckend. Weiter geht es zum Castell de LLers. Das Castell wurde erstmals im Jahre 1276 erwähnt. Der Turm des Castells drohnt majestätisch über dem Ort. An vielen Stellen von Llers hat man eine wunderbare Aussicht über die Tiefebene des Empordà. Ohne Voranmeldung ist ein Besuch der Höhlen LAvenc de la Calma bei Llers leider nicht möglich. Wir notieren uns aber die Telefonnummer der Anmeldung 972 505729 für einen anderen Tag.
Uns lockt die bekannte und originelle Bar El Corral de Llers. Hier ist das Eldorado für Liebhaber edler Schinken. In dem alten Gewölbe der Bar hängen unzählige schwarz- und weißfüßige Schinkenkeulen von der Decke und verleihen dem Lokal ein imposantes Ambiente. Wir dürfen probieren und sind begeistert. Toll finden wir, dass man sich den Schinken auch für zu Hause mitnehmen kann. Wir lassen uns ein paar Scheibchen einwickeln und probieren noch einen guten Tropfen Roten der Region ehe wir mit unseren Impressionen nach Hause zurück kehren.
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