|
Die ursprüngliche Heimat der Kakteen ist Amerika. Am südlichen wie nördlichen Ende des Kontinents gibt es frostresistente Arten in der Regel Opuntien (Blattkakteen). Dazu gehören auch die hier verbreiteten Blattkakteen die die leckeren Kaktusfrüchte liefern. Kakteen gehören zur Familie der Cacteae und sind sukkulente Pflanzen. Sie speichern Wasser und können Trockenperioden überstehen. Ein Mindestmaß an Wasser benötigen sie trotzdem um zu überleben. Kakteen können sehr alt werden. In Mexico gibt es Greisenhäupter, die schon ein halbes Jahrtausend oder vielleicht älter sind.
In der privaten Gartenanlage Pinya de Rosa an der Costa Brava, zwischen Blanes and Lloret de Mar findet man mehr als 100.000 Pflanzenarten und eine interessante Sammlung von Kakteen aus aller Welt.
Fernando Riviere de Caralt legte diesen botanischen Garten im Jahre 1954 an. Er wollte tropische Pflanzen der mediterranen Umgebung anpassen. Heute leben Kakteen, Opuntien und Aloen Seite an Seite mit Pflanzen der einheimischen Flora.
Am Eingang der Anlage wird man von einem Pfau und träge in der Sonne liegenden Katzen begrüßt. Außerhalb der Saison ist man zumindest in der Mittagszeit oft alleiniger Besucher im Park. Das Gelände erstreckt sich weit hinunter zum Meer. Das Grün der Bäume und Pflanzen wird vom dunklen Ultramarin des Wassers gerahmt. Schon vom Tor aus fasziniert der Blick auf stachlige Kugelmonster. Kleine piksende Exemplare kann man käuflich erwerben. Die Preise sind bezahlbar und verhindern den Drang des Sammlers zu wildern. Wir lassen uns ein auf die Faszination Kaktus und schlendern den Weg nach unten. Uralte Säulenkakteen trozen seit Jahr und Tag dem Wind und Wetter an der Rauhen Küste der Costa Bava. Oder sind wir schon in Mexiko? Das Ambiente schickt die Fantasie auf Reisen. Ein Fasan huscht vorbei und schafft Realität. Ein verwunschenes Wasserbecken, ein umrankter Sitzplatz, Gewächshäuser und der Übergang von öffentlichen Wegen macht neugierig auf private Geschichten. Am Rande des Parks steht ein großes Landhaus und davor warten eine Schar von Pfauen auf kleine Leckereien. Wir werden laut kreischend begrüßt, haben leider leere Taschen. Respektvoll akzeptieren wir die Privatsphäre und tauchen wieder ein in die Oase der Pflanzen.
Wissenschaft and Gartenkunst sind im Laufe der Zeit eine harmonische Verbindung eingegangen. Die Harmonie der Formen and Farben, die Menge gigantischer Kakteen die sich förmlich zu einem Kakteenwald addieren, ist faszinierend. Dr. Ing. Fernando Riviere de Caralt erwarb das große Grundstück am Meer im Januar 1945 mit der Idee des Jardin Botanico Tropical.
Systematisch vergrößerte er seine Pflanzensammlung und legte über Jahre einen großen Felsengarten an: 27 Felszonen für Opuntias und Platiopuntias, 12 Zonen für Cylindropuntias und Austro- cylindropuntias, 32 Zonen für Agaven, 11 Zonen für Aloes und weitere Abteilungen für andere Pflanzengruppen gibt es heute auf dem exotischen Gelände.
Die Exemplare der Sammlung stammten zum Teil aus ihren Heimatländern, aus anderen botanischen Gärten, Gärtnereien oder Privatsammlungen der ganzen Welt.

Heute gibt es über 7.000 Pflanzenarten, die örtliche Flora nicht mitgerechnet. Besonderes Augenmerk legte Fernando Riviere de Caralt auf seine Sammlung von Aloes und Agaven. Die Vielfalt und der Umfang dieser Sammlung ist in Fachkreisen viel beachtet und wird von amerikanischen Botanikern als die wichtigste der Welt betrachtet. Im «Pinya de Rosa kann man das ganze Jahr über auf blühende Prachtexemplare exotischer Herkunft zählen. Die Aloes blühen im Winter, viele Kakteen entfalten zwischen Februar und Oktober ihre ganzen Pracht. Meist blühen sie nur kurz und bei Nacht, dann aber zauberhaft: große Blüten können bis zu 35 cm lang sein. Die Farbpalette reicht von weiß über rosa bis hin zu bordaux oder gelb und cremefarben. Sie öffnen sich bei Sonnenuntergang und zeigen sich in ihrer vollen Schönheit nur in tiefer Nacht.
Im Kakteenpark sind die Pflanzen nach ihrer Formen sortiert: große dicke und schlanke Säulen, Armleuchter von mehreren Metern Höhe und Kugelformen im Volksmund auch Schwiegermuttersessel genannt sind imposant zu Feldern und Wäldern gruppiert .
Die Kakteenarten sind alle genau klassifiziert. (Cereux, Trichocereus, Espostoa, Cephalocereus, Neobuxbaumia, Pllosocereus, Oreocereus, Helianthocereus, Cleistocactus, Rooksbya, Pachycereus, Floresia, Roseocereus, Machaecereus, Trixanthocereus, Azureocereus, Morawetzia, Isolatocereus, Echinocereus, Seticereus, Lemaireocereus, Haageocereus, Eulychnia, Peireskia, Hertrichocereus, Marshallocreus, Polaskia, Astrophytum, Acanthocereus, Corryocactus, Mitrocereus, Monvillea, Borzicactus u a.) Auch die Sukkulenten, die nicht zur Familie der Kakteen gehören und die Agaven, Aloes, Delosperma, u.v.m. sind bezeichnet. Jährlich wird neu dazu gepflanzt und die Sammlung weiter vergrößert. Pinya de Rosa und die Fachkenntnis seines Besitzers werden weltweit von den Experten und Biologen geschätzt.
Auch wenn man kein Experte ist, wird der Besuch des Pinya de Rosa zu einem bleibenden Eindruck und besonderen Naturerlebnis. Wir verabschieden uns am Ausgang von dem stolzen Pfau und den träge schnurrenden Katzen und kommen sicher demnächst zurück um die eine oder andere Blüte mit der Kamera einzufangen.
Botanischer Garten
Pinya de Rosa
Platja de Santa Cristina,
Apt. 165, 17300 Blanes. Tel.: 972 35 52 90.
Winter Mo-Fr 10-17,
Sommer tgl. 9 bis 18 Uhr
Eintritt 3,75 Euro
|