>> Calella de Palafrugell
Traumbucht mit Meerblick

Calella erstreckt sich über mehrere kleine, geschwungene Sandbuchten, die von einer Promenade gesäumt werden, und ist das größte der drei Küstendörfer bei Palafrugell. Es hat ein nettes Ortszentrum, und einige Boutiquen locken mit exklusiver Badekleidung die Sommergäste. Kleine Restaurants, weiße Fassaden und blühende Bougainvillae sorgen für südliches Flair.



Laut Reiseführer Marco Polo ist Palafrugell eine Hauptstadt schöner Buchten. "Von Palafrugell gelangt man zu den drei zauberhaften Fischerorten mit reizvoller Küstenlandschaft und malerischen Sandbuchten: Calella de Palafrugell, Llafranc und Tamariu. Alle drei haben sich viel von ihrem ursprünglichen Charakter bewahren können, nicht zuletzt, weil sie erst nach kurvenreicher Anfahrt zu erreichen sind."
Wir trafen letztens Freunde aus Madrid, die jedes Jahr zum Urlaub an die Costa Brava reisen. Sie schwärmten ebenfalls von den Buchten bei Palafrugell. Besonders die Bucht Calella hatte es ihnen angetan. Später einmal wollen sie ihr Haus in Madrid gegen eines an dieser "ihrer" Traumbucht eintauschen, erzählten sie uns begeistert.
Dieser Faszination wollten wir nachspüren und machten uns im Juli auf den Weg zu den kleinen Orten Calella, Llafranc und Tamariu. Von Palafrugell gehen die Zufahrtsstraßen zu den drei Stränden Calella de Palafrugell.
In dem ehemaligen Fischerdorf Calella siedelte sich schon früh das Bürgertum aus Palafrugell an und verwandelte das kleine Dörfchen nach und nach behutsam in ein Touristenzentrum an der Costa Brava. Die strahlenden alten Villen am Strand Portbó zeugen damals wie heute von Luxus und Geld. Auch die einfachen Häuser in den Gassen haben sich herausgeputzt. So stellt man sich einen kleinen Badeort am Meer vor: Alte Villen säumen die Uferpromenade, die kleinen Sandbuchten im Ort sind mit Badelustigen prall gefüllt, bunte Boote liegen im Sand oder schaukeln träge im Meer, in den Uferrestaurants herrscht buntes Treiben, überall duftet es verheißend nach gegrillten Sardinen.
Das Restaurant "Tragamar" direkt am Meer gilt heute als IN-Lokal. Es hat einen großen, ganz in Holz gehaltenen Speisesaal und schmückt sich mit schönen Schwarz-Weiß-Fotografien. Es scheint genau der richtige Platz für einen lauschigen Sommerabend direkt am Meer.
Calella ist bekannt für seine Habanera-Konzerte, die hier alljährlich statt finden. Die kubanischen Habaneras wurden von den Auswanderern eingeführt. Daher handeln die Texte der Habaneras auch fast ausnahmslos von Schiffen und Seefahrern, gefundenen und verlorenen Lieben und unerfüllten Sehnsüchten nach dem Land jenseits des Ozeans. Die melancholischen Gesänge kamen im 19. Jahrhundert aus der Karibik nach Katalonien. Die Mischung aus kreolischen Melodien und trauriger Volksmusik wird begleitet von Gitarre oder Akkordeon und ist seit Generationen überliefert. Seit 1967 findet das Festival der Havaneres in Calella statt und machte den Ort zur inoffiziellen Hauptstadt des Havanera-Gesangs. Das Festival findet jährlich am ersten Samstag im Juli statt und zieht über zehntausend Besucher an.
Wir laufen entlang der Bucht in Richtung Llafranc. Rechts neben uns plätschern die Wellen. Schon bald endet die Promenade, und der Weg führt über die Felsen nach oben. Beeindruckend wölbt sich das grüne Dach einer uralten majestätischen Pinie über unseren Köpfen. Agaven stehen im Fels hoch über dem Meer, Disteln und Kakteen glänzen mit blühender Farbenpracht. Möwen kreisen im Wind. Felsen, Vegetation und azurblaues Meer vor blauem Postkartenhimmel lassen uns die Anstrengung des leichten Anstiegs über die Felsen unter der Mittagssonne vergessen. Der Weg schlängelt sich hoch oben auf der Felsküste entlang. Rechts neben uns tauchen immer wieder schöne alte Villen und gepflegte Gartenanlagen auf. Einige Anwesen haben schlossähnlichen Charakter. Allen gemeinsam ist der traumhafte Meerblick in die Unendlichkeit. Hätten wir ein Haus in Madrid, würden wir es sofort eintauschen. So aber begnügen wir uns mit der Aussicht, freuen uns über malerische Ansichten und spazieren weiter über kleine Felskaps hinunter in die Bucht von Llafranc. Der reizvolle Spaziergang dauert maximal 20 Minuten. In grauer Vorzeit gelangte man über diesen Weg auch zu den Buchten, wenn ein Schiff gesunken war. Es gab hier Plätze, von denen aus der Horizont beobachtet wurde, um rechtzeitig Piratenüberfälle zu verhindern. Nach dem Spanischen Bürgerkrieg transportierte man Schmuggelware über
diesen Pfad ins Land.
Heute empfiehlt sich der Weg besonders für einen romantischen Abendspaziergang zu zweit.
Dann scheint die Sonne nicht mehr mit voller Kraft, der Himmel tönt sich langsam pastellrosa, und die Kulisse ist perfekt für ein romantisches tête-à-tête.