>> S’Agaró

Stilvoll Wohnen – oder Luxus pur.

Wir hatten viel von S’Agaró bei Platja d’Aro gehört und wollten uns schon lange einmal das grandiose Villenviertel mit dem berühmten klassischen Fünf-Sterne-Hotel »Hostal de la Gavina« ansehen.
In der Presse machte in letzter Zeit auch der Camí de Ronda de S’Agaró Schlagzeilen. Die alte Uferpromenade wurde vorbildlich saniert und zeigt sich seit kurzer Zeit in neuem Gewand. Die Promenade gilt als ein Meisterwerk der Landschaftsarchitektur und zählt zu den romantischsten Spazierwegen am Meer.



Schon Charlie Chaplin, Humphrey Bogart und Ava Gardner haben die Exklusivität des Viertels mit dem zauberhaften kleinen Strand "Cala de Sa Conca" genossen. Die private Siedlung öffnet ihre Tore nur für die Autos der Anlieger. Wer die Ruhe und das klare türkisblaue Wasser der Bucht Cala de Sa Conca genießen will, muss normalerweise am Ortseingang (Club Náutico) parken und zu Fuß gehen.
Das ist bei 30 Grad im Schatten und mit schwerer Fotoausrüstung im Gepäck nicht direkt verlockend. Zumal viele Straßen im Villenviertel steil bergan steigen oder man viele Treppenstufen vor sich hat. Zum Glück trafen wir uns letzte Woche mit Pascal, dem Chef des Immobilienbüros Nova Property in Platja d’Aro. Als er hörte, dass wir eine Reportage über S’Agaró machen wollten, bot er uns spontan an, mit uns da hin zu fahren. Er makelt einige der teuren Anwesen dort. Mit ihm kamen wir mühelos mit dem Auto auf das Gelände. Wir profitierten von seiner Ortskenntnis und hatten schnell einen Gesamteindruck der Anlage. In kürzester Zeit sahen wir die schönsten Häuser – leider nur von außen – und schossen viele gute Fotos. Natürlich interessierten uns Preise und Storys der Gebäude. Es gab edle und geschmackvolle alte Paläste mit traumhaften Parks genau so wie neuere Villen mit modernstem Schnick und Schnack und imposanter Größe. Für eine Immobilie in dieser Luxuslage braucht man nicht einfach Geld, sondern ganz viel Geld. Ein Schloss auf dem Lande ist günstiger zu haben. Diese Anlage in S’Agaró ist die älteste Luxus-Feriensiedlung der Costa Brava. 1924 begann die Familie Ensesa unter der Leitung des großen Gironaer Architekten Rafael Masó mit dem Bau der Villensiedlung. Nach 1939 übernahm der Architekt Francesc Folguera die weitere Gestaltung der Promenade "Cami de Ronda". S’Agaró zählt heute zu den schönsten und teuersten Orten der Costa Brava. An der Zufahrt zu dieser Urbanisation erhebt sich das Hostal de la Gavina aus dem Jahr 1932, in dessen Parkanlage sich die von Joan Rebull geschaffene Venus von S´Agaró befindet.
Den architektonischen Stil des Hotel-Komplexes bezeichnet man als "Novecento", mit einer eigenständigen, mediterranen Inspiration. Hier fanden wichtige historische Ereignisse statt und damals wie heute trifft man auf internationale Hautevolee aus Wirtschaft, Kultur und Politik.
Die Villen Gorina, Sibils, Bonet, das Haus des Architekten Masó selbst und ganz besonders die Villa Ensesa mit den Gärten "Senya Blanca" und der "Loggia de Senya Blanca· mit einer herrlichen Aussichtsterrasse sind neben dem Hotel weitere bedeutenden Bauwerke des Architekten Masó. Er beschloss damals, Stilelemente aus verfallenden Bauernhäusern, Palästen und Klöstern Kataloniens zu sammeln und mit Hilfe dieser Elemente einen eigenen neuen Baustil zu entwickeln. Die alten Details wie Steineinfassungen, Fensterornamente und Säulen anderer Gebäude wurden geschickt zu einem neuen Villenstil kombiniert. Mit der »Senya Blanca« der Familie Ensesa wurde von dem Architekten Duran Reynals ein weiterer Grundstein für diese idyllische Urbanisation mit traumhaften Ferienresidenzen am Meer gelegt. Später hinterließen die Architekten Francesc Folguera und Adolf Florensa im Auftrag der Familie Ensesa ihre Handschriften in der Luxus-Anlage.
In den Fünfziger Jahren stand der Name S’Agaró für Luxus am Mittelmeer schlechthin. Der internationale Jetset und Mitglieder des spanischen Königshauses fühlten sich hier wie zu Hause.
In den Fünfziger Jahren tauchten an der Costa Brava die großen Hollywood-Stars auf und drehten ihre Filme. Fasziniert von der Schönheit und Unberührtheit der Landschaft zog die Costa Brava die Aufmerksamkeit von Regisseuren und Produzenten auf sich. So wurden hier Filme gedreht wie etwa "Plötzlich im letzten Sommer", "Flüsternde Schatten", "Pandora und der fliegende Holländer", "Das Licht am Ende der Welt" und viele andere mehr. Die Bucht Sa Conca, die Loggia der "Senya Blanca", die davor liegende Felsenküste und der Strand von San Pol dienten oftmals als Kulisse. Die großen Stars der amerikanischen Filmindustrie verschwendeten in S´Agaró ihre Dollars und trafen sich zu Festen und Partys. Stars wie Ava Gardner, Yul Brynner, Kirk Douglas, Elizabeth Taylor, Montgomery Clift oder Rock Hudson verliebten sich in die Region und kamen auch wieder an die Costa Brava zurück, nachdem ihre Filme bereits abgedreht waren. Charlie Chaplin, Humphrey Bogart und Lauren Bacall zählten ebenfalls zu den Gästen des damals luxuriösesten Hotels Spaniens »Hostal de la Gavina«.
Aufgrund ihrer Freigebigkeit und der Aura von Party, Luxus und Verschwendung, die mit den Filmleuten einherging, wurden die Hollywood-Stars zu den großen Idolen der Gegend, und es spannen sich die verschiedensten Mythen und Legenden um sie.
1956 fand das erste Musikfestivals von S’Agaró statt. Diese Tradition ist bis heute erhalten und jeden Sommer treten weltweit berühmte Musiker und Orchester auf.
Das Wetter spielte uns nach einer Weile Fotosession leider einen Streich. Der Himmel bekam einen grauen Schleier. So mussten wir einen Spaziergang über die neu gerichtete Promenade von 1940 "Cami de Ronda" bis hin zur Cala de Sa Conca auf einen anderen Tag verschieben.
Wir bedankten uns herzlich bei Pascal für die nette und informative Begleitung.

Am nächsten Sonntag dann strahlte der Himmel stahlblau, und wir verabredeten uns am Strand von San Pol vor der Einfahrt des Residenzviertels von S’Agaró mit Josep Maria Ortega. Josep Maria ist heute für PR und Kommunikation der Bodega Espelt zuständig und wohnt seit Jahren im Sommer in San Pol. Er war viele Jahre für eine renommierte katalanische Tageszeitung tätig und sammelt schon seit langem historische Dokumente über S’Agaró und die Umgebung. Einige alte Fotos hatte er für uns dabei. Als Presseprofi besorgte er ebenfalls eine Einfahrtgenehmigung in das abgeschlossene Villenviertel. Vorher sollten wir aber unbedingt noch die bunten Badehäuschen am Strand von San Pol fotografieren. Josep Maria erzählt uns, dass diese seit den fünfziger Jahren als Wahrzeichen hier gelten und an keinem anderen Strand zu finden sind. Auch die La Taverna del Mar aus dem Jahre 1930 blickt auf eine lange Tradition zurück. Hier kann man gut und teuer das ganze Jahr über speisen, und man trifft auf alle die sehen und gesehen werden wollen.
Wir fahren anschließend durch die Schranke in das Viertel der Reichen und Schönen der Costa Brava.
Ehe wir uns auf den "Cami de Ronda" begeben, besuchen wir die Kirche Nostra Senyora de l’Esperança hoch oben auf dem Hügel. Die Kirche wurde 1942 von Francesc Folguera erbaut. Ihre Besonderheit ist der Einbezug der gotischen Arkaden des Kreuzgangs des früheren Franziskanerklosters in Girona. Die Dachkanten und Treppen der Kirche weisen typisch katalanische, mediterrane Architekturelemente auf. Die Mauern sind weiß gekalkt, und das Portal ist verschnörkelter Stein. Auf der Kuppel thront eine Möwe, die sich nach unserem Foto wieder in die Lüfte schwingt. Wir laufen die vielen Stufen hinunter zum Küstenwachgang "Cami de Ronda". Alle Freitreppen der Urbanisation führen dahin. Hier bieten sich spektakuläre Ausblicke auf Meer und Villenarchitektur. Die Badebucht Cala de Sa Conca liegt türkisblau und klar tief unter uns. Die Sicht reicht bis zum Meeresboden. Einige Schwimmer tummeln sich im kühlen Nass. Überfüllt ist der Strand auch jetzt im Hochsommer nicht. Die meisten Villenbesitzer bevorzugen den eigenen Pool. Wir folgen dem Rundweg und erreichen einen Mirador. Stellt man sich direkt unter die Muschel in der Kuppel des Stein-Pavillons und ruft laut einen Namen, hat man einen Echohall im Ohr. Das funktioniert aber nur im Zentrum des Kreises auf dem Fußboden. Das große Stein-Plateau zum Meer ist gigantisch. Läuft man von oben über die Treppe darauf zu, scheint es ein Sprung-Plateau direkt ins Meer oder das Ende der Welt. Den "Cami de Ronda" säumen immer wieder uralte Schatten spendende Bäume. Pinien sind zu Skulpturen verschlungen und Tamarisken trotzen seit Jahrzehnten dem Wind. Die Steinmauern, auf denen die Villen und Gärten am Meer ruhen, sind immens. Sie erzählen von mühseligen Bauarbeiten und der Laune der Gezeiten. Antike Schiffslaternen in einer Bucht und die Verwitterte Schiffsrampe erinnern an die Dreharbeiten aus vergangener Zeit. Das helle Ocker des Weges kontrastiert zum Dunkelblau des Meeres. Die Villenarchitektur beeindruckt immer wieder von Neuem. Es muss paradiesisch sein, in der Villa Ensesa zu weilen. Die Loggia Senya Blanca liegt weit oben über dem Meer. Sie ist die Kulisse der renommierten Musikfestspiele von S’Agaró.
Der "Cami de Ronda" verläuft an einem der schönsten Felsküstenabschnitte der Costa Brava und präsentiert sich seit seiner Renovierung wieder als bestechendes Landschaftsbauwerk mit spektakulärer Aussicht über das Meer. Weiß blinken Segel in der blauen Weite. Motorboote zeichnen Linien und Möwen segeln im Wind. In kleinen Buchten verstecken sich winzige Sandstrände zwischen roten und gelben Felsen. Glatt gespülte Felsformationen dienen als Sonnenterrasse. Wir verlassen den Rundweg und laufen die Stufen hoch zum Hotel. Gern möchten wir noch einen Blick auf die von Joan Rebull geschaffene Venus von S´Agaró werfen. Leider ist das Fotografieren uns erst ab 19.00 Uhr erlaubt. Solange sich die Hotelgäste am Pool tummeln, sind Fotografen nicht zugelassen. Wer weiß, welche Berühmtheit heute hier gerade am Pool relaxt und Angst vor Paparazzi-Fotos hat. Man überreicht uns freundlich ein Hotelprospekt mit der Erlaubnis, daraus die Venus von S´Agaró zu übernehmen.
Jetzt freuen wir uns auf eine kühle Flasche Weißwein und gegrillte Sardinen in einem einfachen Strandlokal weit ab der Luxusmeile und überlassen die Millionärskaste wieder sich selbst. Fazit des Ausflugs: Mit feinen architektonischen Details und viel Geschmack erzielt man die größtmögliche Wirkung. Mit Stil und Luxus steht die Anlage besonders heute im klaren Gegensatz zu den ringsum aus dem Boden gestampften Urbanisationen der Costa Brava.
Besonders das Spiel mit alten Bauelementen und der Einbezug von Vegetation und Natur überzeugt. Der Spazierweg "Cami de Ronda" verspricht besonders am Abend Romantik pur. Dann tauchen spektakuläre Sonnenuntergänge die Kulisse märchenhaft in rosa Licht.