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geben. Da sich Geschmäc-
ker ja bekanntlich unter-
scheiden, muss jeder selbst wis-
sen worauf er am Ende hinauswill:
Chaotisch-verrückte Nächte im
Razzmatrazz mit mehr Spaß als
Erinnerung, der bunten Meute im
legendären Apolo auflauern oder
Hüften schwingen zu Hip Hop im
Otto Zutz. Wie der Name schon
vermuten lässt, tummeln sich im
Bling-Bling die Hemd- und High-
heelsträger, ähnliches gilt für das
Shôko.
Ganz egal, wo man sich zum
Schluss wieder findet, für einen Ab-
sacker am Strand reicht es am Ende
immer noch. Die erste gemeinsame
Nacht wäre damit auch abgehakt.
Tag zwei - Katerköpfe und
Bilderbuchromantik
Es lässt sich vermuten, dass der
zweite Tag nach einer langen
Nacht nicht ganz so schwungvoll
beginnt wie der Erste. Um trotz-
dem auf die Beine zu kommen,
kann man sich noch im komatösen
Zustand zum Passeig de Graçia
begeben - hier wartet im La Vaca
Paca zum kleinen Preis ein umso
größeres All-You-Can-Eat Katerfrühs-
tück mit kalten und warmen Speise.
Keine Sorge, die Sonnenbrille darf
aufgelassen werden, da lassen sich
auch die Vorbeiziehenden viel bes-
ser beobachten.
Das Barcelona nicht nur Welt- son-
dern auch Shoppingmetropole ist,
wird wohl niemanden überraschen
und am Passeig de Graçia befindet
man sich auch gleich an der Quelle.
Da die Aufwärmphase überstanden
ist, kann sich jetzt schon mal das ein
oder andere geleistet werden. Die
Stadt wird sich mächtig ins Zeug
legen, auch bescheidene Seelen
nicht mit leeren Händen zurück keh-
ren zu lassen. Hat man das Bum-
meln satt, können ein paar Meter
weiter Gaudís bunte Häuser bes-
taunt werden.
Wer sich nach diesem Shopping-
marathon nach ein bisschen mehr
Ruhe und Atmosphäre sehnt, der
sollte sich zu einem Streifzug durch
das subkulturelle Herz der Stadt auf-
machen. Der Raval galt lange als
zwiespältiges, von Prostitution und
Kriminalität bevölkertes Viertel - jetzt
ist er dabei, sich zum Szeneviertel
der Stadt zu etablieren. Kulturelle
Vielfalt ist das vorherrschende Sti-
chwort und von der Dönerbude
über den indischen Gewürzladen
bis zum authentischen Asiaten fin-
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Weihnachten steht vor der Tür
und damit die große Suche nach
dem richtigen Geschenk. Nicht beson-
ders originell, aber trotzdem gern ge-
sehen sind – Bücher. Leser jedoch sind
oft anspruchsvolle Menschen, die sich
nicht über jeden beliebigen Bestseller
freuen. Natürlich kann man immer zu
den Klassikern greifen, aber wer Stilsi-
cherheit und eigenen Geschmack be-
weisen will, traut sich unter den
Neuerscheinungen der letzten Jahre
nach versteckten Kleinoden zu s ch n.
Tut man dies in ein r spanischen Buch-
handlung, wird an icht lange brau-
c en, um auf den Namen von Mario
Vargas Llosa zu stoßen. 1936 in Peru
geboren, Schriftsteller und Politiker,
Weltbürger und kritischer Denker, hat
Vargas Llosa sich in der Welt der Poli-
tik nicht nur Freunde gemacht (wie
könnte es anders sein?), jedoch einen
unumstrittenen Platz in den vordersten
Reihen der größten noch lebenden
Schriftst ller erschrieben. Ein wunder-
bares Weihnachtsgeschenk wäre sein
2003 erschienene Roman „Das Para-
dies ist anderswo“, im Original „El Pa-
raíso en la otra esquina“.
Die zwei Protagonisten der Geschichte
– Flora Tristán und Paul Gauguin – sind
eng an die historischen Persönlichkei-
ten gleichen Namens angelegt. Flora
Tristán (1803-1844), Nachkomme pe-
ruanischer Adliger, wurde in Frankreich
in die Armut geboren und erlebte nicht
nur in ihrer persönlich n Biographie das
Ele d der Ausgebeuteten und des recht-
lo en schwachen G schlechts in den
Anfangszeiten der Industriellen Revolu-
tion. Auf Reis n durch England, Peru
und Frankreich erkundete sie die unter-
sten Milieus der Gesellschaft und wurde
zu einer glühenden Kämpferin für die
Rechte der Frauen und Arbeiter. In meh-
reren Büchern verarbeitete sie ihre Er-
fahrungen und entwarf eine Vision für
eine solidarische und gerechte Gesell-
schaft, an deren Verbreitung sie uner-
müdlich arbeitete und schließlich gar
vor Erschöpfung starb. Paul Gauguin
(1848-1903), ein Enkel Flora Tristáns,
entfloh dagegen schon früh den Zwän-
gen der Gesellschaft, indem er auf
einem Handelsschiff anheuerte un erst
nach einer halben Weltreise i das
bourgeoise Le n in s Börsenmakl rs
zurückkehrte. Einige Jahre danach
kehrte er diesem jedoch erneut Rücke ,
dieses Mal zu Gunsten seiner spät ent-
deckten Leidenschaft: der Malerei. Im
ländlichen Frankreich, auf den Inseln
der Südsee und auf seinen Leinwänden
suchte er nach dem verlorenen Paradies
der nicht durch das moderne Leben kor-
rumpierten Gesellschaften, die in Frei-
heit ihre natürlichen Triebe ausleben.
Ebenso w nig wie Flora Tristán sollt er
j doch sein Paradies zu Lebzeiten fin-
d n und verstarb halb blind und schw r
krank am n eren E de der Welt.
Weihnachten, selbst ein Festtag von Vi-
sion und Heilversprechen, ist ein guter
Anlass, sich näher mit diesen beiden
Persönlichkeiten zu beschäftigen – ste-
hen sie doch für ganz und gar gegen-
sätzliche Paradiese, eines verloren in
der Vergangenheit, das andere in der
Zukunft. Trotzdem sind beide von Wer-
ten bestimmt, die sich s hr g genwärtig
annehmen: von Solidarität auf d r
einen Seite und Indiv dualismus auf d r
anderen. Nutzen wir die Z it r Be-
sinnung d denken über u sere heu-
tige Gesellschaft nach, dann stellt man
schnell fest, dass die letzten Jahrzehnte
Christmas stands right ahead the
door and with it the big search for
the right gift. Not especially original but
seen with good grace are – books. Ho-
wever, readers are often demanding
and not exited for any bestseller. Need-
less to say that you can always grab for
the classic, but who wants to prove a
reliable sense of style and personal taste
has the heart to search for the hidden
pieces of jewellry among the new pu-
blications of the last years. Performing
this way at a Spanish bookshop, you
will not need long to come across the
name of Mario Vargas Llosa. Born in
Peru in 1936, being author and politi-
cian, cosmopolitan and critical thinker,
Vargas Llosa did not only make friends
in the political world (how could it be
different?) but wrote himself in an indis-
putible position upon the front ranks of
24 Stunden Notfallzentrale 061
eindeutig vom Individualismus bestimmt
waren, der mit steigendem Wohlstand
zunehmend mächtiger wurde. Die Soli-
darität hingegen, seit jeher Teil christli-
chen Selbstverständnisses, wurde in
Zeiten zockender Eliten und verarmen-
der Unterschichten zynisch als Gut-
menschentum verlacht. Im Angesicht
von Wirtschaftskrise, sozialem Un-
gleichgewicht und Klimawandel sollte
es diese Weihnacht nicht nur von den
Kanzeln schallen: wenn wir diese bei-
den Werte auf die Waagschale wer-
fen, sollten wir besser noch zu unseren
Lebzeiten zu einem neuen Gleichge-
wicht zurückfinden.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel
Spaß beim Aussuchen der Geschenke
und ein frohes Fest!
C O N : T E X T O S
the major writers still alive. A wonderful
Christmas present would be his novel
“The way to paradise”, original title “El
Paraíso en la otra esquina“.
The two protagonists of the story – Flora
Tristán and Paul Gauguin – are closely
connected to the historical personalities
of the same name. Flora Tristán (1803-
1844), descendant of Peruvian nobility,
was born into poverty at France and did
not only experience the affliction of the
exploited and oppressed weak gender
in her own biography during the outset
of the industrial revolution. Travelling
through England, Peru and France she
explored the bottom milieu of the society
and advanced into a fervid revolutio-
nary for the rights of womankind and la-
bour. In several books she dealt with her
experiences and formulated a vision of
a solidary and fair community, whose
circulation she worked on unresting until
she died of exhaustion. Paul Gauguin
(1848-1903), grandson of Flora Tristán,
in contrast, early escaped from social
bondages signing on a merchant ship,
only returning after a half around the
world trip into the bourgeois life of a
stockbroker. Several years later he again
turned his back onto that, this time in fa-
vour of his late discovered passion:
painting. In rural France, on the island of
the South Seas and on his canvas he se-
arched for the lost paradise of a society
living out their natural instincts and not
being corrupted by modern life. Just as
Flora Tristán he never found his paradise
in lifetime and died half blind and criti-
cally ill at the back of beyond.
Christmas, a festive day full of visions
and promises of salvation, holds a good
occasion to engage closely with these
personalities – standing for well and truly
Winteröf fnungszei ten! Mo. - Fr. 9 - 15 Uhr, Sa geschlossen
que quieras tener más de
esta ciu ad, de est s sen-
saciones incomparables... y habrá
más, ya que después del ano he-
cer se empieza a dibujar una di-
mensión totalmente nueva de la
vida en Barcelona. Se abren las
puertas de los clubs y las disco-
tecas y no importa cuándo, cómo
y qué celebrar, siempre hay algo
para celebrar y para todos los gus-
tos. Vivir noches divertidas y caóti-
cas en el Razzmatazz, disfrutar de
la diversidad de gente en el legen-
dario Apolo, o mover las caderas
al hip hop de Otto Zutz. C mo ya
indica el nombre, en l Bling-Blin
se e cu n ran los que llevan cami-
sa caras y tacones altos, com
también es el caso en el Shôko.
No importa dónde celebres, al
final todos se reúnen en la playa
para tomar la última copa del día
y así acaba la primera noche bar-
celonesa...
Día Dos – Resaca y Roman-
ticismo
Se puede suponer que el segu do
día después e una larga noche
no lo empezam s tan entusiasma-
os como el primero. Par des-
pertar y llegar a los pies, en es-
tado comatoso vamos al Passeig
de Gràcia, donde La Vaca Paca
frece un desayuno de resaca
“all you can eat” a un precio razo-
nabl . Y se puede s guir ll vando
las gafas d sol, lo que no sólo fa-
cilita observar la gente alrededor.
Barcelona no sólo es una metró-
polis a nivel mundial sino también
una capital del shopping, con el
Passeig de Gràcia como eje co-
mercial. Como ya hemos pasado
por la fase inicial de la cita román-
tica, ahora sí podemos ir de com-
pras. Y hasta las personas más
austeras va a encontrar lgo en
esta ci dad con una oferta i aca-
bable. Cuando estamos cansados
de comprar, a pocos metros nos
esperan las casas extraordinarias
de Gaudí.
Si buscas un ambiente más tran-
quilo y totalmente diferente del Pas-
seig de Gràcia, vale la pena pa-
sear por el corazón subcultural de
la ciudad. Durante mucho tiempo,
el Raval ha sido un barrio asocia-
do con prostitución y criminalidad,
pero ahora se está estableciendo
como el b rrio más “in”, marcado
por una gran diversidad cultural:
sea kebab turco, una tienda d
especias de la India o un restau-